1970 bis 1979

‘70

Im Rahmen der zunehmenden Rationalisierungsanstrengungen erfolgt eine verstärkt fortschreitende Konzentration zu Großschachtanlagen bzw. Verbundbergwerken. Die Bildung größerer Betriebseinheiten konzentriert sich dabei auf die Zusammenlegung, Verkleinerung und Optimierung der Verwaltungsapparate, Grubengebäude, Tagesanlagen und Logistik unter Tage

1970
Technik

Fortschreitende Konzentration zu Großschachtanlagen

Auf dem Bergwerk Victor-Ickern in Castrop-Rauxel wird erstmals das Schildausbauverfahren angewandt. Dabei handelt es sich um ein hydraulisches Ausbausystem, das den Streb gegen den Druck des Hangenden stützt und dem Gebirgsdruck einen höheren Widerstand entgegensetzt als alle früheren Ausbauverfahren

1970
Technik

Erstmaliger Schildausbaueinsatz

Einführung der sogenannten Anpassungsgeldregelung für Beschäftigte im Steinkohlenbergbau bzw. Braunkohlentiefbau, die zu zwei Dritteln aus Bundes- und zu einem Drittel aus Landesmitteln finanziert wird. Anspruchsberechtigt sind Bergleute, deren Arbeitsplatz in Folge von Rationalisierungs- oder Stilllegungsmaßnahmen verloren gingen und die in längstens fünf Jahren Knappschaftsruhegeld bzw. Knappschaftsausgleichsleistungen beziehen konnten

1971
Soziales

Einführung der Anpassungsgeldregelung

Auf der Zeche Minister Stein in Dortmund-Eving kommt die erste Vollschnittmaschine zur Streckenauffahrung zum Einsatz. Im Gegensatz zur Teilschnittmaschine kann sie den vollständigen Streckenquerschnitt in einem integrierten Arbeitsgang ab- und anschließend ausbauen. Dennoch finden im Steinkohlenbergbau nachfolgend weiterhin Teilschnittmaschinen für den reinen Vortrieb – mit nachfolgender Streckenausbaumaschine – Verwendung

1971
Technik

Einsatz der ersten Streckenvollschnittmaschine

1971
Technik

Einführung der Gleithobelanlage

Erstmals wird auf der Grube Emil Mayrisch die gestängelose Gesenkbohrmaschine als Vortriebsmaschine zum Bohren eines Gesenks (Blindschachtbohrung) im deutschen Steinkohlenbergbau verwendet. Mithilfe der Gesenkbohrmaschine gelingt es, Schächte mit einem Durchmesser von rund 5-7 Metern durch Bohren vollmechanisch abzuteufen

1971
Technik

Erstmaliger Einsatz der gestängelosen Gesenkbohrmaschine

Auflösung der RAG-Betriebsführungsgesellschaft Bergbau AG Essen

1972
Politik/Wirtschaft

Auflösung der Bergbau AG Essen

Die Drosselung der Erdöl-Fördermengen durch die OAPEC infolge des Jom-Kippur-Krieges im Herbst 1973 führt zur ersten Öl(preis)krise, die die Gesamtwirtschaft in den Industrieländern infolge der eintretenden Engpässe in der Energieversorgung schwer belastet. Die Krise verdeutlicht die inzwischen bestehende Abhängigkeit der deutschen Ökonomie vom Öl und zugleich das Risiko, sich immer weiter von der heimischen Steinkohle als Energieressource abzuwenden

1973
Politik/Wirtschaft

Erste Ölpreiskrise

Vor dem Hintergrund der Ersten Ölpreiskrise und der sich verschlechternden Wirtschaftslage tritt am 23. November 1973 der allgemeine Anwerbestopp für die sogenannten Gastarbeiter in Kraft. Sowohl die Vermittlung als auch die Anwerbung von ausländischen Arbeitsuchenden außerhalb der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, in erster Linie also aus den bisherigen Anwerbestaaten Türkei und Jugoslawien, wird dadurch eingestellt

1973
Politik/Wirtschaft

Anwerbestopp

Das Fördergerüst von Schacht 5 der stillgelegten Zeche Germania in Dortmund-Marten wird zum Deutschen Bergbau-Museum Bochum umgesetzt und dessen überregional bekanntes Wahrzeichen

1973
Kultur

Installation eines Fördergerüstes am DBM

Auf der Zeche Osterfeld gelingt es erstmals, einen im Bruchfeld eines Abbaubetriebs entstandenen Selbstentzündungsbrand durch die Einleitung von Stickstoff zu löschen. Nachfolgend entwickelt sich das Inertisierungsverfahren mit Stickstoff zu einem Standardverfahren bei der Brandbekämpfung unter Tage

1974
Technik

Inertisierung

Auf Grundlage des Dritten Verstromungsgesetzes zur Sicherung des Einsatzes der Steinkohle in der Elektrizitätswirtschaft vom Dezember 1974 wird nachfolgend zur Bezuschussung der deutschen Steinkohle von allen Stromverbrauchern der sogenannte Kohlepfennig als Ausgleichsabgabe erhoben. Der Kohlepfennig, der die Preisdifferenz zwischen der teureren deutschen Steinkohle und der billigeren Importkohle egalisieren soll, wird 1994 vom Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt und 1995 abgeschafft, wodurch auch der 1980 zwischen den Steinkohleunternehmen und den Stromerzeugern geschlossene "Jahrhundertvertrag" seine Grundlage verliert

1974
Politik/Wirtschaft

Drittes Verstromungsgesetz und Erhebung des Kohlepfennigs

Seit 1975 werden vom Statistischen Bundesamt die Investitionen für Umweltschutz im Produzierenden Gewerbe erhoben. Die Daten verteilen sich dabei auf die vier Umweltbereiche Luftreinhaltung, Gewässerschutz, Lärmbekämpfung und Abfallbeseitigung. Zwischen 1975 und 1985 steigen die Umweltschutzinvestitionen des Produzierenden Gewerbes von drei auf knapp fünf Milliarden DM an, wobei der Anstieg im Wesentlichen dem Vollzug der Großfeuerungsanlagen-Verordnung von 1983 und damit dem Bereich der Luftreinhaltung zuzurechnen ist

1975
Politik/Wirtschaft

Erfassung der Investitionsaufwendungen für den Umweltschutz

Auf der Zeche Hansa wird im Rahmen eines Forschungsvorhabens die Hydromechanik als Gewinnungsmethode erprobt, bei der gebündelte Wasserstrahlen unter hohem Druck die Steinkohle aus dem Gestein herauslösen. Infolge der für eine hydromechanische Gewinnung ungünstigen geologischen Bedingungen in Deutschland bleibt die Hydromechanik jedoch eine kurze Episode

1977
Technik

Erprobung der Hydromechanik

Die abgeschlossene Rahmenvereinbarung zwischen dem deutschen Steinkohlenbergbau und der Elektrizitätswirtschaft bildet den Auftakt für den 1980 zwischen den Bergbauunternehmen und den Stromerzeugern geschlossenen "Jahrhundertvertrag"

1977
Politik/Wirtschaft

Rahmenvereinbarung zwischen Steinkohlenbergbau und Elektrizitätswirtschaft

Zusammenlegung der sechs RAG-Betriebsführungsgesellschaften zur Bergbau AG Niederrhein, Bergbau AG Lippe und Bergbau AG Westfalen

1977
Politik/Wirtschaft

Zusammenlegung der RAG-Betriebsführungsgesellschaften

Der tarifliche Urlaubsanspruch für Untertagearbeiter steigt, je nach Lebensalter, auf 23 bis 29 Tage an. Bis 1969 hatte der tarifliche Urlaubsanspruch – unverändert seit der Nachkriegszeit – zwischen 14 und 21 Arbeitstage betragen

1977
Soziales

Neuregelung des Urlaubsanspruches

Das Deutsche Bergbau-Museum wird Mitglied der sogenannten Blauen Liste (Bund-Länder-Fördermodell), aus der 1997 die Leibniz-Gemeinschaft hervorgeht

1977
Kultur

Das DBM wird Mitglied der Blauen Liste

Infolge der Islamischen Revolution im Iran und dem unmittelbar folgenden Ersten Golfkrieg zwischen dem Irak und Iran folgt die Zweite Ölkrise, die abermals die Bedeutung der heimischen Steinkohlevorkommen verdeutlicht

1979
Politik/Wirtschaft

Zweite Ölpreiskrise

Gründung des Westfälischen Landesmuseums für Industriekultur (heute: LWL-Industriemuseum) mit verschiedenen dezentralen Standorten, darunter mehrere mit bergbaulichem Hintergrund. Die Zentrale wird in der denkmalgeschützten Zeche Zollern in Dortmund untergebracht. 1984 wird dann auch das Rheinische Industriemuseum in einer ehemaligen Zinkfabrik in Oberhausen (heute: LVR-Industriemuseum) gegründet

1979
Kultur

Gründung des LWL-Industriemuseums

‘79