Stilllegungen und Anpassungen

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Zwischen 1969 und 1993 gelang es der Ruhrkohle AG die Anzahl der selbstständigen Zechen zwischen Hamm und Duisburg um 34 Bergwerke zu verringern, ohne dass es dabei zu Entlassungen in den Arbeitsmarkt oder größeren sozialen Konflikten kam. Gleichwohl musste die Rückführung des Steinkohlenbergbaus stets an neue wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen angepasst werden.

Als entscheidend für die Aufrechterhaltung der Absatzmöglichkeiten erwies sich insbesondere die Zusage der Stahl- und Stromindustrie, die inländische Steinkohle gegenüber der eigentlich billigeren Importkohle zu bevorzugen. „Hüttenvertrag" und „Jahrhundertvertrag" bezeichneten Wege, die industriellen Abnehmer an die deutsche Kohle zu binden, allerdings wurden im Falle der Stromwirtschaft die dabei gemachten Einbußen mit dem „Kohlepfennig“ an den Endverbraucher weitergegeben. Wichtigste Konsequenz des Ruhrkohlenkompromisses war, dass die Industrie so verkleinert wurde, dass sie wirtschaftlich blieb, es aber gleichzeitig nicht zu Massenentlassungen kommen sollte und niemand ins „Bergfreie" fiel. Dazu gehörten etwa Verbundmaßnahmen von Schachtanlagen, die Verlegung der jüngeren Belegschaften auf anderen Zechen nach Stilllegungen oder auch die forcierte Aufforderung an Mitarbeiter, mit Unterstüzung des Unternehmens in andere Branchen zu wechseln.

Entscheidungsfindung zu Stilllegungen

Schrumpfungsprozess in den 1980er und 1990er Jahren

„Einfach war das nie“

Zechenschließungen mitverantworten

„Die größte und modernste Kokerei in Europa“

Schrumpfung durch Stahl-Fusion: Kokerei Kaiserstuhl

„Irgendwann haben sie gemerkt, dass die Erfahrung fehlte“

Verbünde und Verlegungen aus Sicht eines Betriebsrates

„Als Friedrich Heinricher war man auf einem Familienpütt“

Probleme bei Verbundmaßnahmen

„Ihr habt keine Chance, im Bergbau bis zur Rente zu kommen“

Qualifizierungsmaßnahmen in den 1990er Jahren

„…dass man auf einmal dann im Bergfreien steht, habe ich nie gedacht“

Existenzsicherung durch den Bergbau

„Ohne Veränderung ist Rückschritt angesagt"

Sozialverträglicher Personalabbau

Die 1980er und 1990er Jahren waren durch Kohlerunden zwischen dem Steinkohlenbergbau und der Bundesregierung geprägt. Dabei ging es um die Unterstützung der Branche durch die öffentliche Hand. Das Auslaufen des Jahrhundertvertrages und die Abschaffung des Kohlepfennigs 1995 machten eine Neuausrichtung der staatlichen Finanzhilfen unabdingbar. 1997 plante die Bundesregierung eine so starke Verringerung der staatlichen Zuschüsse, dass bis 2005 rund 60.000 der noch vorhandenen 85.000 Arbeitsplätze im Bergbau verloren zu gehen drohten. Die Bergleute und die IGBE quittierten dieses Ansinnen mit großen Protestaktionen im Ruhrgebiet und an der Saar, die auch von der Bevölkerung in den Bergbauregionen mitgetragen wurden. So reihten sich am 14. Februar 1997 rund 220.000 Menschen in das 93 Kilometer lange „Band der Solidarität" ein, um für den Erhalt der deutschen Steinkohlenförderung zu demonstrieren. Die Bundesregierung sicherte schließlich zu, dass es zu keinen betriebsbedingten Kündigungen kommen werde.

„Was passiert denn jetzt, wenn der Pütt zugemacht wird“

Demonstrationen und Zukunftsängste

„Noch kein tragbares Ergebnis“

Warten auf das Ergebnis der Kohlerunde 1997

„Also das fand ich beeindruckend …“

Band der Solidarität 1997

„Du musst in einer Stunde im Bundestag darüber reden“

Bundestagsrede zur Kohlerunde 1997

„Das ist eigentlich die Geburtsstunde der Fraueninitiative gewesen"

Gründung der Fraueninitiative Sophia Jacoba 1988

Beim sogenannten Kohlegipfel am 7. Februar 2007 einigen sich die Bundesregierung, die betroffenen Bundesländer NRW und Saarland, die IGBCE und die RAG AG in einem Eckpunktepapier auf das Jahresende 2018 als Auslaufdatum für den deutschen Steinkohlenbergbau. Das auf dieser Beschlussgrundlage basierende Steinkohlenfinanzierungsgesetz sah vor, die Zahlung öffentlicher Gelder bis 2018 zu beenden; dabei blieb es trotz einer ursprünglichen Revisionsklausel, die jedoch im Rahmen der EU-Gesetzgebung nicht zum Tragen kam. Ebenfalls blieb es bei den bewährten Vorruhestandsregelungen. Gleichwohl ist es den meisten Bergleuten nicht nur leicht gefallen, sich mit Anfang 50 zur Ruhe zu setzen.

„Ich war der allerletzte von 2/5 Untertage“

Schließung der Zeche Friedrich Thyssen und Ruhestand

„Aber abgeschaltet hattest Du nicht“

Eintritt in den Ruhestand als letzter des Jahrgangs

„Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt“

Schwierigkeiten durch den frühen Ruhestand

„Du wirst auf einmal von 100 auf 0 runtergebremst“

Umgang mit dem frühen Berufsende

„Schon ein ganz schöner Schritt"

Abschied von der Zeche

„Das alles braucht sehr viel Zeit"

Strukturwandel auf lange Zeit

„Der Bergbau ist noch nicht zu Ende“

Zukunft des Bergbaus